Reh­kitz­ret­tung – Run­der Tisch

Für eini­ge der rund 50 Tei­le­neh­mer dürf­te es das ers­te Mal gewe­sen sein, in die­ser Kon­stel­la­ti­on auf­ein­an­der zu tref­fen.  Aber das The­ma des Abends ist bri­sant genug, um ver­meint­lich kon­tro­ver­ses­te Gemü­ter kom­pro­miss­los zu einen: Der Schutz jun­ger Tie­re davor, bei der ers­ten Mahd im Früh­jahr durch die immer grö­ße­ren und schnel­le­ren Mäh­ma­schi­nen ver­letzt oder getö­tet zu wer­den.

Am Diens­tag, 07. Febru­ar 2017, tra­fen sich im „Post­ho­tel Johan­nes­berg“ in Lau­ter­bach zum ers­ten gro­ßen Run­den Tisch Land­wir­te, Jäger, Poli­ti­ker, Forst­wir­te, Bio­lo­gen, Tier­schüt­zer und Juris­ten aus dem Vogels­berg- und dem Wet­ter­au­kreis. Dazu ein­ge­la­den hat­ten Stef­fen Schä­fer (Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des der Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten im Vogels­berg, Hans-Ull­rich Weid­ner (Vor­sit­zen­der der Jäger­ver­ei­ni­gung Lau­ter­bach), Katha­ri­na Jacob (Tier­schutz­be­auf­trag­te der Jäger­ver­ei­ni­gung Lau­ter­bach) und Bar­ba­ra Bausch (Tier- und Natur­schutz Unte­rer Vogels­berg e. V.).

Eben­so durch­mischt wie die Teil­neh­mer waren die Erwar­tun­gen an den Abend, der den Auf­takt zu einer wei­ter­füh­ren­den Zusam­men­ar­beit bil­den soll. Die­se gin­gen von kon­kre­ten Lösungs­an­sät­zen, Tipps und Tricks über neue Denk­an­sät­ze bis hin zu einer Mög­lich­keit, sich in Zukunft bes­ser zu ver­net­zen.

Wäh­rend der drei Stun­den dau­ern­den Ver­an­stal­tung wur­de deut­lich, dass eine offe­ne, sach­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on lan­ge über­fäl­lig war. So brach gleich zu Beginn Stef­fen Schä­fer, Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des der Jagd­ge­nos­sen­schaf­ten, eine Lan­ze für alle Land­wir­te, denen nicht sel­ten unter­stellt wird, leicht­fer­tig die Ver­let­zung oder Tötung eines Tie­res in Kauf zu neh­men. Neben dem grau­en­vol­len Erleb­nis, ein Tier zu ver­let­zen oder töten, sei es nie­mals im Inter­es­se eines Land­wir­tes, Tie­re oder Tei­le von Tie­ren in der Sila­ge zu haben. Kada­ver pro­du­zie­ren im Lau­fe der Ver­we­sung das Ner­ven­gift Botu­li­num. Von Pflan­zen­fres­sern auf­ge­nom­men, führt es unwei­ger­lich zu deren qual­vol­len Tod.

Der Bio-Land­wirt Wal­ter Lang nutz­te die Gele­gen­heit, den logis­ti­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Kraft­akt der ers­ten Mahd zu schil­dern, wenn die Wet­ter­vor­her­sa­ge die ers­ten zwei tro­cke­nen Tage des Früh­jahrs ankün­digt. Tipps und Anre­gun­gen aus der Run­de, wie trotz des wirt­schaft­li­chen und zeit­li­chen Drucks Wild­tier­schutz betrie­ben wer­den kann, wur­den kon­struk­tiv durch­ge­spro­chen, hin­ter­fragt und abge­wo­gen.
Die­ter Göbel, eben­falls Jäger, war als Gast aus dem Oden­wald gela­den, wo man bereits seit Lan­gem erfolg­reich mit den Land­wir­ten zusam­men­ar­bei­tet.  Herr Göbel unter­strich die Anre­gun­gen und zähl­te etli­che Vor­keh­run­gen auf, die in sei­ner Regi­on getrof­fen wür­den, um Aus­mah­ten erfolg­reich zu redu­zie­ren. Es gin­ge um eine Kom­bi­na­ti­on der an die ent­spre­chen­de Flä­chen­struk­tur ange­pass­ten Maß­nah­men. Als Bei­spie­le nann­te er hart­nä­cki­ge Hilfs­an­ge­bo­te sei­tens der Jäger, mit ihren Hun­den Wie­sen abzu­su­chen, Scheu­chen auf­zu­stel­len und Ver­grä­mungs­mit­tel ein­zu­set­zen, gefolgt von Mäh­tech­ni­ken, die die Land­wir­te anwand­ten, um das Risi­ko, Tie­re zu ver­letz­ten, noch wei­ter redu­zie­ren kön­nen. Dabei kom­men auch tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zum Ein­satz wie Blink­lich­ter, Infra­rot­sen­so­ren und Schall­ka­no­nen.

Max Mohr, selbst Jäger und Land­wirt stell­te eine gemein­sam mit der Uni­ver­si­tät Wei­hen­ste­phan neu ent­wi­ckel­te Schall­ka­no­ne vor. Die­se gebe zwar eben­falls kei­ne 100-pro­zen­ti­ge Garan­tie gegen Ver­lus­te, aber in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Vor­keh­run­gen, lie­fe­re sie bis­her viel­ver­spre­chen­de Resul­ta­te.
In jedem Fall hel­fe aber – so der Tenor der Land­wir­te – eine frü­he Mahd, wenn nicht nur Kit­ze, son­dern auch Hasen und Boden­brü­ter sich noch nicht in den Wie­sen befän­den. Je spä­ter gemäht wür­de, des­to grö­ßer sei die Opfer­zahl.

Da in der Regel gan­ze Ein­satz­trup­pen erfor­der­lich sind, um die Ver­let­zung oder Tötung von Tie­ren weit­ge­hend zu ver­mei­den, zeich­ne­te sich im Lau­fe des Abends bald der Wunsch nach einer star­ken Zusam­men­ar­beit mit­ein­an­der ab. Zudem müs­se das The­ma auch in der Öffent­lich­keit an Gewicht gewin­nen. Der Bür­ger­meis­ter von Ulrich­stein, Edwin Schnei­der, sowie Swen Bas­ti­an, Vor­sit­zen­der der SPD des Vogels­berg­krei­ses, sicher­ten an die­ser Stel­le ihre vol­le Unter­stüt­zung zu.
Juris­ti­sche Fra­gen, etwa über den Umfang der Ver­ant­wor­tung und even­tu­el­le recht­li­che Kon­se­quen­zen sei­tens der Land­wir­te klär­te Adolf Tausch,  Amts­ge­richts­lei­ter a. D. und selbst Jäger.

Gegen Ende hat­te sich ein kla­rer Kon­sens her­aus­kris­tal­li­siert: Eine stär­ke­re Zusam­men­ar­beit und wei­te Ver­brei­tung durch Ver­net­zung und Öffent­lich­keits­ar­beit, um Erfah­run­gen aus­zu­tau­schen und so in der Lage zu sein, zeit­nah Maß­nah­men an den raschen Wan­del in Wirt­schaft und Tech­nik anzu­pas­sen.
Nächs­te Schrit­te sind die Kon­so­li­die­rung der bis­he­ri­gen Erfah­run­gen und der Auf­bau eines Netz­wer­kes aus allen Grup­pen.
Eine Fol­ge­ver­an­stal­tung wird ver­mut­lich für den Herbst, nach der Ern­te, geplant.