Ande­re Län­der – ande­re Tier­schutz­rech­te

In der Schweiz geht es vielen Nutztieren besser

Mut­ter­kuh und Kalb früh und für immer tren­nen. Beklei­dung aus Tier­fel­len ver­kau­fen. Pfer­de aus kuli­na­ri­schen Grün­den schlach­ten. Wo ist so etwas ver­bo­ten? Die Ant­wort ist kurz und erschre­ckend: Wahr­schein­lich nir­gend­wo. Und das, obwohl die betrof­fe­nen Tie­re min­des­tens mit viel Lebens­freu­de, mit kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit und sehr bald mit ihrem Lebens­licht bezah­len. Eini­ge Schlag­lich­ter auf inter­na­tio­na­le Bestim­mun­gen, die die Nutz­tier­hal­tung regeln, zei­gen aber hier und da: Es geht auch ver­hält­nis­mä­ßig tier­freund­lich, wenigs­tens im Ver­gleich mit deut­schen Vor­schrif­ten.

Kroa­ti­en

Zum Bei­spiel Kroa­ti­en: Seit Janu­ar 2018 sind in dem klei­nen Land sämt­li­che Pelz­tier­far­men end­gül­tig geschlos­sen. Die­se Indus­trie spiel­te dort noch vor zehn Jah­ren eine trau­rig gro­ße Rol­le. Die öko­no­mi­schen Inter­es­sen haben sich aber nicht durch­ge­setzt.

Nor­we­gen

Oder Nor­we­gen: Jeder Kuh steht dort per Gesetz eine Mat­te für die Nacht-ruhe zu. Nicht aus purer Tier­lie­be frei­lich, son­dern weil so eine ange­neh­me Unter­la­ge angeb­lich zu mehr Milch­aus­stoß führt. Und noch ein­mal das Land im hohen Nor­den: Jede® in Nor­we­gen ist aus­drück­lich ver­pflich­tet, einem ver­letz­ten Tier zu hel­fen – gleich, ob Wild­schwein, Kat­ze oder Huhn. In Deutsch­land ken­ne ich so einen Para­gra­phen nicht, auch nicht im Tier­schutz­ge­setz.

USA

Die USA bege­hen immer­hin einen natio­na­len „Tag des Schweins“ (1. März), um die Intel­li­genz die­ses Tie­res zu wür­di­gen. Was das an posi­ti­ven Fol­gen für ein übli­ches Schwei­n­ele­ben bedeu­tet, steht auf einem ande­ren Blatt.

Schweiz

Und wo gibt es einen Tier­schutz-TÜV, der Stal­l­ein­rich­tun­gen und Hal­te­run­gen auf art­ge­mä­ße Merk­ma­le prüft? Natür­lich in der Schweiz, dem Land, das offen­bar alle ande­ren Staa­ten über­trifft, was Anzahl und Güte von nutz­tier-freund­li­chen Rege­lun­gen angeht. In dem Nach­bar­land wird zwar auch viel „Zentimeter“-Tierschutz betrie­ben mit Blick auf die Auß­ma­ße der Unter-brin­gung. Aber Kri­te­ri­en wie Ernäh­rung, Sozi­al­kon­takt, Beschäf­ti­gung usw. wer­den erns­ter genom­men. Der neu­es­te Fort­schritt: Hum­mer darf man seit dem 1. März nicht mehr bei leben­di­gem Leib kochen (nach Elek­tro­schock-Betäu­bung schon). Auch dür­fen die Pan­zer­kreb­se nicht mehr lebend auf Eis trans­por­tiert wer­den. Die neu­en Geset­ze ver­bie­ten außer­dem Ver­an­stalt-ungen mit Strei­chel­zoos.

Seit Jah­ren schon sind in dem Alpen­land prak­tisch alle schmerz­haf­ten Ein­grif­fe ille­gal. Das gilt beson­ders für das Kas­trie­ren von Fer­keln (müs­sen vor­her betäubt wer­den, was mit einem schmerz­haf­ten Ein­stich der Injek­ti­ons­na­del ver­bun­den ist). Rin­gel­schwanz-Kupie­ren, Zäh­ne-Abklem­men oder Schna­bel-Kür­zen sind gene­rell nicht erlaubt. Auch aus­ge­wach­se­ne Schwei­ne haben es bes­ser als in der Euro­päi­schen Uni­on. Statt wochen­lan­ger Fixier-ung im Kas­ten­stand bekommt eine Schwei­zer Mut­ter­sau vor der Geburt min­des­tens 5,5 qm Platz mit Ein­streu, kann sich inso­fern frei bewe­gen und ihren Nest­bau­trieb aus­le­ben. Und jedes Schwein hat an war­men Som­mer-tagen das Recht auf Abküh­lung, z.B. in Form einer Schwein­de­du­sche, die die Tie­re selbst bedie­nen.

Käl­ber erhal­ten seit 2013 in jedem Fall Zufüt­te­rung in Form von ein­hei­mi­schen Pflan­zen (Gras, Heu, Sila­ge). Milch­kü­he dür­fen im Durch­schnitt häu­fi­ger den Stall ver­las­sen als anders­wo: Wenigs­tens 60 Tage im Som­mer, 30 Tage im Win­ter (unge­re­gelt ist aber die Anzahl der Stun­den pro Aus­lauf, und es muss nicht unbe­dingt Wei­de­land sein …). Für alle Rin­der, Käl­ber, Scha­fe und Zie­gen in der Schweiz gilt: Schäch­ten ist unter­sagt.

Geflü­gel­tie­re dür­fen dort längst nicht mehr in Käfi­gen gehal­ten wer­den, statt- des­sen Voliè­ren (was dem Ein­zel­tier nicht unbe­dingt reich­lich Platz bringt …). Die meis­ten Lege­hen­nen haben – schon auf­grund frei­wil­li­ger Pra­xis in der Eier-Indus­trie – Zugang zu Frei­land. Für Mast­hüh­ner sind Tages­licht im Wech­sel mit wenigs­tens acht Stun­den Dun­kel­pha­se fest­ge­legt. Und kein Tier­trans­port darf län­ger als sechs Stun­den dau­ern.

Trotz aller Ver­bes­se­run­gen atmen die Schwei­zer Tier­schüt­zer kei­nes­wegs auf. „Wer die Vor­schrif­ten ein­hält, bie­tet den Tie­ren des­we­gen noch lan­ge kein tier­freund­li­ches Leben“, heißt es. „Auch bei uns hat ein Mast­schwein nicht ein­mal 1 qm Platz. Wäh­rend der lan­gen Stall­zei­ten sind immer noch vie­le Kühe ange­bun­den.“ Ein heik­ler Punkt sind auch aus­rei­chen­de und unan­ge­mel­de­te Kon­trol­len. Das Fazit ist von daher zwie­späl­tig: „Im Tier­schutz ist die Schweiz unter den Blin­den der ein­äu­gi­ge König.“

Franz Schif­fer