Von Bienen und Hummeln

Warum wir Wildbienen schützen sollten

Bei dem Wort Bie­nen den­ken die meis­ten von uns zunächst an Honig­bie­nen. Die ursprüng­lich bei uns hei­mi­sche Honig­bie­ne, die Dunk­le Honig­bie­ne, war opti­mal an ihren Lebens­raum ange­passt. Lei­der ist sie heu­te fast aus­ge­stor­ben.
Die heu­ti­gen, hier leben­den Honig­bie­nen sind auf Leis­tung getrimm­te Hoch­zucht­ras­sen. Anfäl­lig­kei­ten für Wit­te­run­gen, Krank­hei­ten und Para­si­ten sind der Preis dafür.

Warum wir Wildbienen schützen sollten

Nur den wenigs­tens Men­schen ist bekannt, dass es bei uns ca. 560 Arten ein­hei­mi­sche Wild­bie­nen, zu denen auch die Hum­meln zäh­len, gibt. Die meis­ten davon leben soli­tär und haben eine gerin­ge Fort­pflan­zungs­ra­te.

Immer wie­der liest man, dass der Rück­gang der Honig­bie­ne zu mas­si­ven Ein­brü­chen bei der Bestäu­bung unse­rer ein­hei­mi­schen Pflan­zen sowie der Obst­bäu­me füh­ren wür­de. Neue­re wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se haben aller­dings erge­ben, dass auf Grund ihrer hohen Effi­zi­enz und den gerin­ge­ren Aus­fäl­len durch Krank­hei­ten, Wild­bie­nen in der Lage sind, die Bestäu­bung von Obst­baum­kul­tu­ren und ande­ren Pflan­zen zu über­neh­men.

In Natur­schutz­ge­bie­ten wür­den Honig­bie­nen einen zu hohen Kon­kur­renz­druck auf die dort leben­de Insek­ten­fau­na aus­üben. Daher wird dort die Bestäu­bung zu hun­dert Pro­zent von Wild­bie­nen, Schwe­be­flie­gen und ande­ren Insek­ten gewähr­leis­tet.

Wenn die käl­te­emp­find­li­che Honig­bie­ne bei nied­ri­gen Früh­lings­tem­pe­ra­tu­ren inak­tiv ist, über­neh­men die Bestäu­bung der Obst­bäu­me weit­ge­hend Hum­meln, Sand- und Mau­er­bie­nen. Man­che Blü­ten, wie zum Bei­spiel die von Eisen­hut und Rit­ter­sporn, sind auf die lan­grüs­se­li­gen Hum­meln und ande­ren Wild­bie­nen ange­wie­sen.

Was können wir zum Schutz der Wildbienen beitragen?

Tot­holz­gär­ten anle­gen und, wo es mög­lich ist, Baum­stümp­fe oder abge­stor­be­ne Bäu­me erhal­ten.
Tro­cken­mau­ern und/oder Lese­stein­hau­fen anle­gen.
Insek­ten­ho­tels, die mög­lichst auch Lehm ent­hal­ten soll­ten, anbie­ten.
Da ver­schie­de­ne Arten unbe­grün­ten Boden benö­ti­gen, um dar­in zu nis­ten, soll­te ein Teil der Gar­ten­flä­che nicht begrünt und auch nicht bear­bei­tet wer­den.
Und selbst­ver­ständ­lich kei­ne Insek­ti­zi­de benut­zen.

Wäh­rend der Honig­bie­ne durch den Imker ein gewis­ser Schutz gebo­ten wird, sind Wild­bie­nen durch natür­li­che Regu­la­ti­ons­me­cha­nis­men in ihrer Popu­la­ti­ons­grö­ße beschränkt.  Sie sind von geeig­ne­ten Klein­struk­tu­ren für die Anla­gen ihrer Brut­stät­ten abhän­gig.  Sie benö­ti­gen die spe­zi­fi­schen Wild­pflan­zen, auf die die jewei­li­ge Art ange­passt ist und haben kei­ne Aus­weich­mög­lich­kei­ten, wenn die­se auch von Honig­bie­nen genutzt wird.

Durch die inten­si­ve Land­wirt­schaft und die rasan­te Zunah­me bebau­ter Flä­chen redu­zie­ren sich die natür­li­chen Lebens­räu­me und das Nah­rungs­an­ge­bot für unse­re Wild­bie­nen stän­dig. Aber auch in unse­ren Haus­gär­ten wird ihnen das Leben schwer gemacht. Des­halb sind sehr vie­le Arten vom Aus­ster­ben stark bedroht. Daher ist Wild­bie­nen­schutz immer auch Honig­bie­nen­schutz, nicht aber auto­ma­tisch umge­kehrt.

Text: Hei­ke und Leon Weid­ner
Foto: Frank Jer­mann

Weitere Informationen:
BUND

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