Ein Herz für Hühner

Oder auch: Keine Lust auf Friponil?

Wir alle wis­sen, dass es in unse­rer Lebens­mit­tel­pro­duk­ti­on nicht immer so glück­lich und har­mo­nisch zugeht, wie es uns die Wer­bung ver­spricht. Bei den Men­gen an Eiern und Hüh­ner­fleisch, die täg­lich ver­ar­bei­tet wer­den, kön­nen wir erah­nen, dass hier etwas im Argen lie­gen muss. Auch der Kauf von Bio-Eiern löst das Pro­blem nicht, denn die Lebens­be­din­gun­gen der Lege­hüh­ner sind nur mar­gi­nal bes­ser. Das Leid dar­um­her­um bleibt. War­um nicht mehr tun, als nur „Bio“ zu kau­fen?

Unfassbare Dimensionen

Die Dimen­sio­nen sind unfass­bar, gigan­tisch: Auf jeden zwei­ten deut­schen Bür­ger kommt eine Lege­hen­ne. In unse­rem Land leben also zir­ka 40 Mil­lio­nen Lege­hen­nen, die unse­ren Bedarf an Eiern decken sol­len, wäh­rend sie ihr oft­mals trost­lo­ses Leben fris­ten. Dazu kom­men noch­mal 40 Mil­lio­nen Hähn­chen, denen aber nicht ein­mal das gegönnt wird: Sie wer­den geschred­dert, sobald das Geschlecht erkenn­bar ist.

Wie leben die 40 Mil­lio­nen Hühn­chen? Oft sind die Bedin­gun­gen trost­los: Den Hen­nen gesteht man für ihre 15 Lebens­mo­na­te einen Platz von nur wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt zu. So kön­nen sie nicht ein­mal ihre Flü­gel aus­brei­ten. Nach 15 Mona­ten haben sie dann aus­ge­dient. Sie wer­den in der Geflü­gel­groß­schlach­te­rei ent­sorgt und zu Nah­rungs­mit­teln ver­ar­bei­tet. Dann lan­den sie bei uns auf dem Tel­ler.

Warum wird das so gemacht?

Die Lege­leis­tung nimmt in dem Alter im Ver­hält­nis zum Fut­ter­ver­brauch ab. Die Hen­nen sind dann für die Eier-Indus­trie nicht mehr pro­fi­ta­bel genug.

Ein symbolische Akt

Es ist nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein - aber jedes Tier, dass die­ser Höl­le ent­kom­men kann,

Ret­tet das Huhn e.V. über­nimmt aus­ge­dien­te Lege­hen­nen aus Mas­sen­tier­hal­tun­gen und ver­mit­telt sie an tier­lie­be Men­schen, die die­sen Tie­ren ein art­ge­rech­tes, erfüll­tes Hüh­ner­le­ben schen­ken möch­ten.
(https://rettetdashuhn.de/)

ist es wert: Statt in der Schlach­te­rei „ent­sorgt“ zu wer­den, bie­tet die Orga­ni­sa­ti­on „Ret­tet das Huhn“  die Ver­mitt­lung sol­cher tod­ge­weih­ten Hen­nen in eine art­ge­rech­te Umge­bung an.

Die Fami­lie H. hat­te sich im Som­mer mit die­ser Orga­ni­sa­ti­on in Ver­bin­dung gesetzt. Irgend­wann fand die Über­ga­be der Hen­nen statt. Die Tie­re waren in einem jäm­mer­li­chen Zustand. Eines hat es nicht geschafft, weil es zu erschöpft war. Jedoch haben sich die ver­blei­ben­den Hen­nen erholt und auch die Federn wuch­sen wie­der. Sie haben nicht nur einen schö­nen Aus­lauf, in dem sie schar­ren und picken kön­nen, sie leben auch in einer klei­nen Grup­pe, so wie es ihrem natür­li­chen Bedürf­nis ent­spricht.

Trotz­dem - die­se Akti­on ret­tet nur sehr sehr weni­ge Lege­hen­nen. Daher kann es nicht oft genug wie­der­holt wer­den: Bil­li­ges Geflü­gel­fleisch zu kau­fen för­dert das unwür­di­ge Umge­hen mit dem Geflü­gel.

Nur ein ethisches Problem?

Die Mas­sen­tier­hal­tung ist aller­dings nicht nur ein ethi­sches Pro­blem. Wis­sen Sie genau, ob das Hüh­ner­fleisch, dass viel­leicht auch Sie kau­fen, gesund oder schäd­lich ist? Die indus­tri­el­le Mas­sen­tier­hal­tung erfor­dert dau­er­haft den Ein­satz von Anti­bio­ti­ka. Rück­stän­de kön­nen sich im Fleisch befin­den.

Selbst wenn Sie das Hüh­ner­fleisch nicht kau­fen und essen: Der mas­si­ve Ein­satz von Anti­bio­ti­ka kann über Tier­ab­fäl­le ins Grund­was­ser gelan­gen – und damit in Ihrem Glas. 9 von 10 Mast­hüh­nern kom­men wäh­rend ihrer Mast­dau­er in Kon­takt mit Anti­bio­ti­ka. Eine Redu­zie­rung des Anti­bio­ti­ka­ein­sat­zes ohne Ver­än­de­rung der Hal­tungs­be­din­gun­gen funk­tio­niert nicht. In Däne­mark wer­den Ersatz­be­hand­lungs­me­tho­den wie zum Bei­spiel mit dem Schwer­me­tall Zink umge­setzt.

Haben wir eine Wahl?

Kön­nen wir nur zwi­schen dro­hen­den Anti­bio­tika­re­sis­ten­zen oder Schwer­me­tall im Kör­per wäh­len?  Nein, jeder von uns hat es in der Hand und soll­te nicht dar­auf war­ten, dass ein Ande­rer zuerst han­delt: Nur die bewuß­te Ein­schrän­kung des Kon­sums von Eiern und Geflü­gel­fleisch kann Ver­än­de­rung in der unwür­di­gen Mas­sen­tier­hal­tung brin­gen.

Als ich bei der Fami­lie H. war und sie mir von ihren beson­de­ren Hüh­nern erzähl­te, gab es auch Kuchen. Natür­lich war es ein Kuchen ohne Eier - und wis­sen Sie was? Der war ein­fach lecker!

Daher stel­le ich auch gleich mal ein Kuchen­re­zept ohne Ei vor:

Apfel-Streuselkuchen ohne Ei

Zutaten:

500 g Mehl (zum Bei­spiel Wei­zen­mehl, oder Din­kel­voll­korn­mehl, auch gemischt)
150  Zucker
200g Mar­ga­ri­ne
1 Päck­chen  Vanil­le­zu­cker
1 Tüte  Back­pul­ver
6 gro­ße, schö­ne Äpfel
2 Eßl­öf­fel Mais­stär­ke
Saft von 1 bis 2 Zitro­nen

Zubereitung

  • Back­ofen auf 170° C Umluft vor­hei­zen.
  • Eine Spring­form ca 28 cm Durch­mes­ser) ein­fet­ten.
  • 3 Äpfel schä­len und in Stück­chen schnei­den. Mit ca. 1 Tas­se Was­ser auf­ko­chen. Die Mais­stär­ke mit dem Zitro­nen­saft ver­rüh­ren. Sobald das Apfel-Was­ser­ge­misch kocht die Stär­ke ein­rüh­ren. Kurz wei­ter­ko­chen und dabei stän­dig rüh­ren. Dann vom Herd neh­men.
  • Mehl mit Back­pul­ver, Zucker  und Vanil­le­zu­cker ver­mi­schen. Mit den Hän­den die Mar­ge­ri­ne unter­kne­ten bis ein krüm­me­li­ger Teig ent­steht. Ca. 2/3 des Tei­ges mit den Hän­den in die Form dru­cken. Dabei einen klei­nen Rand for­men. Den Teig mit einer Gabel ein­ste­chen.
  • ca. 10 Minu­ten vor­ba­cken
  • die ver­blie­be­ne Äfpel schä­len und in Schnit­ze schnei­den.
  • Auf den vor­ge­ba­cke­nen Teig das Apfel­mus ver­tei­len. Dar­auf die Apfel­schnit­ze legen.
  • Den rest­li­chen Teig als Streu­sel auf die Apfel­schicht krüm­meln.
  • Ca. 40 Minu­ten backen

Dem Teig kön­nen Gewür­ze wie Zimt oder Kar­do­mon bei­gemischt wer­den. Das Rezept kann auch mit ande­rem Obst geba­cken wer­den.