Gefährliche Zäune

Um Wei­de­tie­re auf einem begrenz­ten Are­al ein­zu­schlie­ßen oder um Pflan­zun­gen vor Wild­tie­ren zu schüt­zen wer­den meist Zäu­ne ein­ge­setzt. Lei­der gehen von den unter­schied­li­chen Zau­nar­ten vie­le Gefah­ren für Wild- aber auch für Haus­tie­re und manch­mal sogar für Men­schen aus.

Im fol­gen­den wer­den die Gefah­ren der in Land- und Forst­wirt­schaft gebräuch­lichs­ten Zäu­ne vor­ge­stellt.

Stacheldrahtzaun

Bild­quel­le: mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Bene­dikt Schwe­nen, Deut­scher Land­wirt­schafts­ver­lag GmbH

Häu­fig sind Zäu­ne für Rin­der aus Sta­chel­draht gefer­tigt. Die­se Art der Ein­frie­dun­gen sind für Wild- und Haus­tie­re extrem gefähr­lich.  Vor allem an Wald­rän­dern stel­len Sta­chel­draht­zäu­ne für Wild­tie­re ein gro­ßes Risi­ko dar. Bei Gefahr ver­su­chen sie in den Wald zu flüch­ten und neh­men den schlecht sicht­ba­ren Zaun nicht wahr.

Tie­re, die sich in einem Sta­chel­draht­zaun ver­fan­gen, gera­ten in Panik und ver­su­chen sich mit Gewalt zu befrei­en. Dadurch tra­gen sie sehr schwe­re, oft auch töd­li­che Ver­let­zun­gen davon.
Poten­ziert wird die­se Gefahr durch nicht gewar­te­te Zäu­ne. Abge­faul­te oder umge­knick­te Holz­pfos­ten füh­ren zu durch­hän­gen­den Sta­chel­dräh­ten, die durch Bewuchs in der war­men Jah­res­zeit und durch Schnee im Win­ter nicht mehr wahr­ge­nom­men und dadurch zu Fal­len für Mensch und Tier wer­den kön­nen.

Auch für die ein­ge­frie­de­ten Tie­re sind die­se Zäu­ne nicht geeig­net. Insek­ten­ge­plag­te Rinder scheu­ern sich an Pfos­ten und Sta­chel­draht, um sich Lin­de­rung vom Juck­reiz  zu ver­schaf­fen. Um an Grä­ser oder fütternde Men­schen zu gelan­gen, neh­men man­che Tie­re die Ver­let­zun­gen durch die Metallstacheln in Kauf. Sta­chel­draht­zäu­ne soll­ten durch geeig­ne­te­re Zäu­ne ersetzt wer­den.

Knotengitterzaun

Im Forst­be­reich, an Auto­bah­nen, aber auch bei der Hal­tung von Scha­fen wer­den oft Kno­ten­git­ter­zäu­ne ein­ge­setzt. Auch von die­sen Zäu­nen gehen Gefah­ren für Wild­tie­re aus.

Klei­ne­re Tie­re, wie zum Bei­spiel Igel, blei­ben in den für sie zu engen Maschen hän­gen und ver­en­den qual­voll. Um sol­che Unfäl­le zu ver­mei­den, soll­ten die­se Zäu­ne min­des­tens 25 cm Boden­frei­heit haben. Die Maschen­wei­te muss so bemes­sen sein, dass kein Wei­de­tier mit dem Kopf hän­gen­blei­ben kann. Der Zaun muss straff gespannt sein, um die Unfall­ge­fahr zu ver­rin­gern. Täg­li­che Kon­trol­len sind abso­lut not­wen­dig!

Fazit

Zäu­ne müs­sen regel­mä­ßig, am bes­ten täg­lich, über­prüft wer­den. Bei Wei­den soll­te dar­auf geach­tet wer­den, dass immer genü­gend Fut­ter für die Tie­re zur Ver­fü­gung steht, um Aus­bruch­ver­su­chen vor­zu­beu­gen. Nicht genutz­te Zäu­ne soll­te der Betrei­ber abbau­en und ent­fer­nen. Eben­so Zaun­ma­te­ri­al, wie zum Bei­spiel Draht­rol­len, dass im Gelän­de liegt und für Tie­re eine töd­li­che Gefahr dar­stellt. Durch umsich­ti­ges Han­deln kön­nen vie­le Gefah­ren für Tier und Mensch ver­mie­den wer­den.

Elektrozaun

Foto Tor­grif­fe am Boden: Leon Weid­ner

Eine oft prak­ti­zier­te Lösung für Tier­hal­ter sind Elek­tro­zäu­ne. Um die­se sicher zu betrei­ben, müs­sen eini­ge Din­ge beach­tet wer­den. Ide­al sind Fest­zäu­ne mit Bän­dern, Dräh­ten oder Kunst­stoff­lit­zen, die stets straff gespannt sein müs­sen. Es muss min­des­tens ein gut sicht­ba­res Band vor­han­den sein.  Der Bewuchs unter dem Zaun, der min­des­tens 25 cm Boden­frei­heit haben soll­te, muss regel­mä­ßig ent­fernt wer­den, um die unte­re Lit­ze sicht­bar zu hal­ten und die Hüte­si­cher­heit zu gewähr­leis­ten. Die Gefahr des Hängenbleibens von Wild­tie­ren beim Durch­schlüp­fen wird so ver­min­dert.

Der Strom soll nur wäh­rend des Wei­de­gangs ein­ge­schal­tet sein. Oft sieht man an nicht genutz­ten Elek­tro­zäu­nen durch­hän­gen­de Lit­zen und Bän­der, sowie Tor­grif­fe am Boden lie­gen. Durch sol­che Nach­läs­sig­kei­ten kom­men immer wie­der Tie­re qual­voll um, weil sie sich hoff­nungs­los dar­in ver­hed­dern. Auch bei einem kurz­zei­tig nicht genutz­ten Zaun müs­sen des­halb die Bän­der und Lit­zen gespannt sein.  Bei mobi­len Elek­tro­zäu­nen soll­ten Eck- und Tor­pfos­ten immer fest ver­an­kert sein, um ein Durch­hän­gen der Lit­zen und Bän­der zu ver­mei­den. Elek­tro­zäu­ne, die län­ge­re Zeit nicht genutzt wer­den, zum Bei­spiel im Win­ter, baut man am Bes­ten ab.

Wei­de­net­ze sind sehr gefähr­lich und soll­ten nur bei kon­ti­nu­ier­li­cher Über­wa­chung ein­ge­setzt wer­den. Wild- oder Wei­de­tie­re kön­nen sich nicht mehr befrei­en, wenn sie sich im Wei­de­netz ver­fan­gen haben. Die Strom­schlä­ge des Wei­de­zaun­ge­rä­tes machen einen sol­chen Unfall zur Fol­ter.
Holz­zäu­ne
Die bes­te, lei­der aber auch pfle­ge­in­ten­sivs­te Lösung, wären Holz­zäu­ne. Sie sind für Wild- und Haus­tie­re gut sicht­bar und in Ver­bin­dung mit einem auf der Innen­sei­te ange­brach­ten Elek­tro­draht auch sehr aus­bruch­si­cher.

 

Text: Leon Weid­ner