Frohe Weihnachten! Und warum der Engel lachen musste

Wir wün­schen Euch eine fro­he Weih­nacht!

Die bevor­ste­hen­de Geburt des Christ­kinds berei­te­te den Engeln ziem­li­ches Kopf­zer­bre­chen. Sie muss­ten näm­lich bei ihren Pla­nun­gen sehr vor­sich­tig sein, damit die Men­schen auf Erden nichts davon bemerk­ten. Denn schließ­lich soll­te das Kind in aller Stil­le gebo­ren wer­den und nicht einen Betrieb um sich haben, wie er in Naza­reth auf dem Wochen­markt herrsch­te.

Pro­ble­me gab es auch bei der Innen­aus­stat­tung des Stal­les von Beth­le­hem. An der Fut­terrau­fe locker­te sich ein Brett, aber hat jemand schon ein­mal einen Engel mit Ham­mer und Nagel gese­hen?! Das Stroh für das Krip­pen­bett fühl­te sich hart an, das Heu duf­te­te nicht gut genug, und in der Stall­la­ter­ne fehl­te das Öl.

Aber auch was die Tie­re anbe­traf, gab es aller­hand zu beden­ken. Genau an dem für den Engel­schor aus­er­wähl­ten Platz hing ein Wes­pen­nest. Das muss­te aus­quar­tiert wer­den. Denn wer weiß, ob Wes­pen ein­sich­tig genug sind, um das Wun­der der Hei­li­gen Nacht zu begrei­fen? Die Flie­gen, die sich Och­se und Esel zuge­sellt hat­ten, soll­ten dem gött­li­chen Kind nicht um das Näs­lein sum­men oder es gar im Schla­fe stö­ren. Nein, kein Tier durf­ten die Engel ver­ges­sen, das etwa in der hoch­hei­li­gen Nacht Unan­nehm­lich­kei­ten berei­ten könn­te.

Unter dem Fuß­bo­den im Stall wohn­te eine klei­ne Maus. Es war ein lus­ti­ges Mäus­lein, das sich nicht so schnell aus der Ruhe brin­gen ließ, höchs­tens, wenn die Kat­ze hin­ter ihm her war. Aber dann flüch­te­te es schnell in sein Mäu­se­loch zurück. Im Herbst hat­te die Maus flei­ßig Früch­te und Kör­ner gesam­melt; jetzt schlief sie in ihrem gemüt­li­chen Nest. Das ist gut, dach­te der ver­ant­wort­li­che Engel, wer schläft, sün­digt nicht, und bezog die Maus nicht wei­ter in sei­ne Über­le­gun­gen ein.

Nach geta­ner Arbeit kehr­ten die Boten Got­tes in den Him­mel heim. Ein Engel blieb im Stall zurück; er soll­te der Mut­ter Maria in ihrer schwe­ren Stun­de bei­ste­hen. Damit aber kei­ner merk­ten konn­te, dass er ein Engel war, nahm er sei­ne Flü­gel ab und leg­te sie sorg­sam in eine Ecke des Stal­les. Als die Mut­ter Maria das Kind gebar, war sie sehr dank­bar für die Hil­fe des Engels.

Denn kurz dar­auf kamen schon die Hir­ten, nach­dem sie die fro­he Bot­schaft gehört hat­ten, und der Hüte­hund und die Scha­fe. Obwohl die Män­ner sich bemüh­ten, lei­se zu sein, und sozu­sa­gen auf Zehen­spit­zen gin­gen, klan­gen ihre Schrit­te doch hart und der Bret­ter­bo­den knarr­te. War es da ein Wun­der, dass die Maus in ihrem Nest auf­wach­te? Sie lug­te zum Mäu­se­loch hin­aus und hör­te die Stim­me “ Ein Kind ist uns gebo­ren …“, konn­te aber nichts sehen.

Neu­gie­rig ver­ließ sie ihr schüt­zen­des Nest und schon war die Kat­ze hin­ter ihr: Schnell woll­te das Mäus­lein in sein Mäu­se­loch zurück, aber ein Hir­te hat­te inzwi­schen sei­nen Fuß dar­auf gestellt. „Hei­li­ge Nacht hin oder her“, sag­te die Kat­ze zu der ent­setz­ten Maus, „jetzt krieg ich dich!“

Und damit ging die wil­de Jagd los. Die Maus in ihrer Angst flitz­te von einer Ecke in die ande­re, saus­te zwi­schen den Bei­nen der Hir­ten hin­durch, husch­te unter die Krip­pe und die Kat­ze immer hin­ter­her. Zwi­schen­zeit­lich bell­te der Hüte­hund und die Scha­fe blöck­ten ängst­lich. Irgend­wo gacker­te auf­ge­regt eine Hen­ne.

Die Hir­ten wuss­ten nicht recht, was los war, denn eigent­lich waren sie gekom­men, um das Kind anzu­be­ten. Aber sie konn­ten ja ihr eige­nes Wort nicht mehr ver­ste­hen, und alles rann­te durch­ein­an­der: Es ging zu wie in Naza­reth auf dem Wochen­markt.

Als die Engel im Him­mel das sahen, lie­ßen sie buch­stäb­lich ihre Flü­gel hän­gen. Es ist tröst­lich zu wis­sen, dass auch so unfehl­ba­re Wesen wie Engel nicht an alles den­ken. Das Mäus­lein indes­sen befand sich in Todes­angst. Es glaub­te sei­ne letz­te Sekun­de schon gekom­men, da flüch­te­te es in sei­ner Not unter die Engels­flü­gel. lm glei­chen Moment fühl­te es sich sach­te hoch­ge­ho­ben und dem Zugriff der Kat­ze ent­zo­gen. Das Mäus­lein wuss­te nicht, wie ihm geschah. Es schweb­te bis unters Dach­ge­bälk, dort hielt es sich fest. Außer­dem hat­te es jetzt einen wei­ten Blick auf das gan­ze Gesche­hen im Stall.

Die Kat­ze such­te noch ungläu­big jeden Win­kel ab, aber sonst hat­te sich alles beru­higt. Der Hüte­hund, bewach­te die ruhen­den Scha­fe. Die Hir­ten knie­ten vor der Krip­pe und brach­ten dem Christ­kind Geschen­ke dar. Alles Licht und alle Wär­me gin­gen von die­sem Kin­de aus. Das Christ­kind lächel­te der Maus zu, als woll­te es sagen, „Gell, wir wis­sen schon, wen die Kat­ze hier her­un­ten sucht“. Sonst hat­te nie­mand etwas von die­sem wun­der­sa­men Ereig­nis bemerkt.

Außer dem Engel, der heim­lich lachen muss­te, als er die Maus mit sei­nen Flü­geln sah. Er kicher­te und glucks­te trotz der hoch­hei­li­gen Stun­de so sehr, dass sich der hei­li­ge Josef schon irri­tiert am Kopf kratz­te. Es sah aber auch zu komisch aus, wie die klei­ne Maus mit den gro­ßen Flü­geln in die Höhe schweb­te. Die erstaun­te Maus hing also oben im Dach­ge­bälk in Sicher­heit.

Und ihre Nach­kom­men erzäh­len sich noch heu­te in der Hei­li­gen Nacht die­se Geschich­te. Macht ihnen die Spei­cher und Tür­me auf, damit sie eine Hei­mat fin­den - die Fle­der­mäu­se - wie damals im Stall von Beth­le­hem.

Ver­fas­ser noch unbe­kannt