Zweifel und Missverständnisse

2019: Überarbeitete Erkenntnisse

Farbe:
Wenig geeignet sind Folien in weiß oder rot, die aufgrund des Farbsprektrums nicht in der Lage sind, ein für die Tiere maximal helles Licht zu reflektieren. Die Farbe Blau deckt – gemessen an den Rezeptoren in den Augen von Wildtieren – das größtmögliche Spektrum wahrnehmbaren Lichts ab und hat dadurch den besten Effekt – alleine durch die Helligkeit

Merke: Blau ist keine Schreckfarbe.

Folie:
Drei Reflexfolientypen gibt es in Deutschland. Für Wildwarnreflektoren ist „Typ 3“ die geeignete Wahl. Diese Folie reflektiert – anders als die anderen – das Licht nicht zum größten Teil zur Lichtquelle zurück, sondern leitet ein Gros davon über kleine Prismen ab.

Ungeeignete Umgebung:
Mit der Reflexfolie Typ 3 kann man sich inzwischen sogar für Böschungen und Abhänge, wenn sie keinen allzu steilen Winkel haben, die Anschaffung zusätzlicher kegelförmiger Reflektoren sparen, da die eingearbeiteten Facetten auch gefächert nach unten und oben reflektieren (anders als ältere Modelle, die den Schein nur geradeaus ableiten).
Allerdings braucht ein Reflektor von vorne herein mindestens 5, besser 30 Meter, die er bestrahlen kann, um Wild wirkungsvoll und rechtzeitig stoppen zu können. Liegt die Strecke in einem Waldgebiet (besonders dicht und tief beastete Nadelwälder), hält der Bewuchs den reflektierten Schein davon ab, das Wild überhaupt zu erreichen. Steht ein Tier einmal einen halben Meter nah an der Straße zwischen den Bäumen, ist es in der Regel zu spät.
Auch allzu steile Kurven und Abhänge haben den Nachteil, dass Fahrzeug und Tier zu spät und überraschend aufeinander treffen. Hier könnte ein Wildschutzzaun Abhilfe schaffen. Dieser verhindert den Wechsel an der besonders kritischen Stelle und leitet die Tiere dort hin um, wo sie sicherer über die Straße kommen. In engen Kurven haben Sie außerdem die Möglichkeit, zwischen die an diesen Stellen ohnehin enger stehenden Leitpfosten zusätzliche Holzlatten in den Boden zu setzen und daran Reflektoren anzubringen. In Österreich wird diese Methode an etlichen Stellen, beispielsweise Serpentinen, praktiziert

Merke: Wildschutzzäune sollten – mit Ausnahme von Autobahnen – sparsam eingesetzt werden, da sie die natürlichen Wechsel des Wildes unüberwindbar abschneiden.

Sparsamkeit:
Man sollte unfallträchtige Strecken sehr großzügig bestücken. Spart man hier an der falschen Stelle, ist es wahrscheinlich, dass das geblendete Wild sich einen neuen Weg sucht. Beginnt dieser knapp hinter dem ursprünglichen Übergang, werden die Tiere den neuen, ungestörten Weg schnell gefunden haben und die Unfallszahlen steigen wieder – nur eben ein paar Meter weiter.
Ebenso sollten keine Lücken gelassen werden. Es reicht demnach nicht aus, nur jeden zweiten Leitpfosten mit einem Reflektor auszustatten.

Fehlende Kontrolle und Pflege:
Eine gute Zusammenarbeit mit Straßenmeistereien ist unabdingbar, wenn es um die Reflektoren und deren „Nachbehandlung“ und Kontrolle geht.

  • Mäharbeiten müssen rechtzeitig erledigt werden, um zu verhindern, dass Gras die Leitpfosten und somit die Reflektoren zuwächst.
  • Ebenso werden verschmutzte Reflektoren wirkungslos. Eine regelmäßige Reinigung ist deshalb notwendig. Es empfiehlt sich, in Gegenden, in denen im Winter stark gesalzen wird, zwischen den Routine-Reinigungen der Straßenmeistereien auch selbst Hand anzulegen. Mit Schwamm und Wasser haben Sie Ihre Reflektoren rasch von Salz befreit.
  • Bei der Reinigung kann es passieren, dass ein Pfosten oder nur der Reflektor beschädigt oder abgerissen wird (bei ordnungsgemäßer Befestigung zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich). Es muss also darauf ein besonderes Augenmerk gelegt und solche Verluste umgehend gemeldet werden, damit keine Lücke entsteht.
  • Straßenmeistereien müssen flächendeckend darüber informiert sein, beim Austausch eines Leitpfostens darauf zu achten, den alten entweder beim zuständigen Revierleiter abzugeben, sollte sich ein Reflektor daran befinden, oder den Reflektor selbst abzuschrauben und abzugeben.
  • Ebenso ist darauf zu achten, dass die Pfosten immer gerade stehen. Die Folien sind auf die senkrechte Position der Leitpfosten ausgerichtet.

Umwelteinflüsse:
Leider kommt es vor, dass Strecken in sehr nebelreichen Gebieten liegen. Die feinen Wassertropfen in der Luft und an den Reflektoren brechen das Licht, sodass es neu geleitet wird, unter Umständen auch an Intensität einbüßt. In besonders ungünstigen Fällen gefriert Nebel oder Sprühregen auf den Reflektoren. Das Eis kann eine ähnlich ungünstige Wirkung haben.

Fruchtstand:
Selbst wenn alle Parameter stimmen, die Flächen frei sind, Böschungen nicht zu steil und die Gegebenheiten ideal zu sein scheinen, kann es sein, dass an der Straße liegende Äcker in einem Jahr mit Mais, Raps oder ähnlich hohen und dichten Feldfrüchten bepflanzt werden. Sobald diese die Höhe der Leitpfosten überschreiten, entsteht ein dichter Sichtschutz. Steht dieser auch noch nah an der Straße, ist die Wirkung der Reflektoren an dieser Stelle für den Zeitraum stark eingeschränkt – zumindest auf der Seite des Feldes.
Ist ein Feld abgeerntet und Fruchtreste nicht unter die Erde gehoben, ziehen – besonders gegen Ende des Jahres, wenn das Nahrungsangebot knapper wird – Fruchtreste die Tiere stark an. In dem Fall empfiehlt es sich, mit den entsprechenden Landwirten zu sprechen, um diesen Reiz aus der Straßennähe zu entfernen.

Störungen:
Wild priorisiert instinktiv bestehende Gefahren. So stellt beispielsweise ein jagender Hund erst einmal die größere und greifbarere Lebensgefahr für die Fluchttiere dar. Mit diesem potentiellen Fressfeind im Rücken wird Wild vermutlich die abstraktere Gefahr eines aufblitzenden Reflektors eher ignorieren.

Fazit:
Wildschutzmaßnahmen sind ein sehr komplexes Feld, in das viele unterschiedliche Faktoren einbezogen werden müssen. Einen 100%-igen Schutz gewähren Wildwarnreflektoren leider nicht. Andererseits haben sie durchaus ihre Daseinsberechtigung, denn jedes Tier, das nicht in ein Auto läuft, ist es wert, diese Maßnahme zu ergreifen.