Jungwildrettung geht uns alle an

Unter die­sem Mot­to tra­fen sich am Diens­tag, den 12. Febru­ar 2019, Björn Schö­bel, stv. Gene­ral­se­kre­tär des Hes­si­schen Bau­ern­ver­ban­des e. V., Vol­ker Lein, Vor­sit­zen­der des Kreis­bau­ern­ver­ban­des Vogels­berg e.V., Ste­fa­nie Becker, Geschäfts­füh­re­rin des Kreis­bau­ern­ver­ban­des Vogels­berg e.V. sowie die Initia­to­ren der „Kitz­ret­tung-Hil­fe“ Hans-Ull­rich Weid­ner, Jäger­ver­ei­ni­gung Lau­ter­bach, und Bar­ba­ra Bausch, Tier- und Natur­schutz Unte­rer Vogels­berg e. V., zu einem Gespräch in Als­feld.

Rehkitzrettung ist komplex

Das The­ma Reh­kitz­ret­tung bei der ers­ten Mahd in den Mona­ten Mai und Juni ist kom­ple­xer, als es auf den ers­ten Blick erscheint.

Dort sind zunächst Tie­re, deren Nach­wuchs just in der Zeit gesetzt und in Wie­sen ver­steckt wird, in der die ers­ten Mäh­ar­bei­ten begin­nen. Der Land­wirt sei­ner­seits steht in der Ver­ant­wor­tung, dafür Sor­ge zu tra­gen, dass bei den Mäh­ar­bei­ten kein Tier ver­letzt oder getö­tet wird. Um das zu bewerk­stel­li­gen, bedient er sich vie­ler Maß­nah­men. Die nächst­lie­gen­de ist die Vor­ankün­di­gung der Mahd beim zustän­di­gen Jagd­aus­übungs­be­rech­tig­ten, der wie­der­um einen Groß­teil der bereit­ste­hen­den Maß­nah­men im Vor­feld trifft. Ist das Zeit­fens­ter für Vor­keh­run­gen wit­te­rungs­be­dingt klein, kann es bei gro­ßen und zahl­rei­chen Flä­chen zu Eng­päs­sen kom­men. Hier leis­ten wie­der­um frei­wil­li­ge Hel­fer einen wich­ti­gen Bei­trag zur Bewäl­ti­gung die­ser Eng­päs­se, indem sie zu tref­fen­de Maß­nah­men unter­stüt­zen.

Sind Unfälle vermeidbar?

Doch war­um pas­sie­ren den­noch Jahr für Jahr unzäh­li­ge Unfäl­le, wer­den immer wie­der Tie­re unab­sicht­lich ver­letzt oder getö­tet? Die Ant­wort dar­auf ist nicht ein­fach.

Die Bau­ern­ver­bän­de wei­sen jähr­lich auf ihren Ver­samm­lung, in Fach­zeit­schrif­ten und in Rund­schrei­ben flä­chen­de­ckend auf die Gefah­ren und alle erdenk­li­chen Maß­nah­men hin. Eben­so for­dern sie die Ein­zel­fall­prü­fung, „wel­che und wie vie­le Maß­nah­men zu ergrei­fen sind, um Wild­tie­re effek­tiv zu schüt­zen.“ Und den­noch gibt es schwar­ze Scha­fe, die das schlicht nicht inter­es­siert.

Genau­so sieht es in der Jäger­schaft aus. Auch dort wird in ähn­li­chem Tur­nus und mit glei­cher Inten­si­tät dar­auf hin­ge­wie­sen, zur Zeit der ers­ten Mahd erreich­bar und ein­satz­be­reit zu sein. Trotz­dem hört man sei­tens eini­ger Land­wir­te immer wie­der von erfolg­lo­sen Ver­su­chen, den zustän­di­gen Jagd­päch­ter zu errei­chen oder zu Hilfs­ein­sät­zen zu bewe­gen.

Auch Tier­schüt­zer stel­len sich ver­mehrt auf, um bei der Jung­wild­ret­tung Unter­stüt­zung zu leis­ten. Doch selbst hier gibt es Grup­pie­run­gen, die sich zum Ziel gesetzt haben, sich eher im Hin­ter­grund zu hal­ten und zu lau­ern, ob und was pas­siert, um zeit­nah Anzei­gen zu erstat­ten.

Die­se schwar­zen Scha­fe unter allen Betei­lig­ten, ob frei­wil­lig, ehren­amt­lich oder nicht, gilt es wach zu rüt­teln.

Wo geklagt wird, ist das Kind bereits in den Brun­nen gefal­len. Die Ener­gie, die für Rechts­pro­zes­se not­wen­dig ist, ist in den Ein­satz zur Ver­hin­de­rung jed­we­der Unfäl­le wesent­lich bes­ser inves­tiert. Vor­aus­set­zung für sinn­vol­le Maß­nah­men ist, dass Mäh­ter­mi­ne mög­lichst früh genug ange­mel­det und Hil­fe ange­for­dert wird. Die­se wie­der­um muss zuver­läs­sig zur Ver­fü­gung ste­hen. Kurz: kom­pro­miss­lo­se Zusam­men­ar­beit Aller muss funk­tio­nie­ren. Und das kann sie nur, wenn kei­ner sich aus dem Kom­plex zurück­zieht – aus wel­chen Grün­den auch immer.

Unwis­sen­heit ist heut­zu­ta­ge kein Argu­ment mehr

Rechtsprozesse - eine Energieverschwendung

Unwis­sen­heit ist heut­zu­ta­ge kein Argu­ment mehr, eine „Egal“-Mentalität indis­ku­ta­bel. Und auch frei­wil­li­gen Hel­fern legen wir drin­gend ans Herz, sich im Vor­feld bewusst zu machen, dass man sich auf sie ver­las­sen kön­nen muss. Mit ihrer Zuver­läs­sig­keit steht und fällt das Ver­trau­en in wir­kungs­vol­le Zusam­men­ar­beit.

Neben Landwirten, Jagdpächtern und Rehkitz-Helfern spielt auch der Verbraucher eine wichtige Rolle.

Es gibt aber noch einen wei­te­ren Akteur, der an der Front aller­dings unsicht­bar bleibt und den­noch nicht unwe­sent­li­che Ver­ant­wor­tung trägt: der Ver­brau­cher, der gewal­ti­ge Steue­rungs-Hebel in der Hand hält. Wo Bio­gas und bil­li­ges Fleisch gefor­dert wer­den, muss vie­les davon in kur­zer Zeit pro­du­ziert wer­den. Um das zu bewerk­stel­li­gen, braucht es enor­me und reich­hal­ti­ge Men­gen an Sila­ge und Fut­ter­mit­teln. Die­se sind nun ein­mal dort zu fin­den, wo zur Zeit der bes­ten Vege­ta­ti­ons­be­din­gun­gen auch Jung­tie­re zu fin­den sind. Auch er kann hel­fen – sowohl mit sei­nem Kauf­ver­hal­ten, als auch vor Ort –, denn alles ist bes­ser, als mit dem Fin­ger auf ande­re, ins­be­son­de­re die Land­wir­te, zu zei­gen.

Wer sich über die Reh­kitz­ret­tung-Hil­fe infor­mie­ren oder wer mit­ma­chen möch­te, fin­det hier ganz vie­le wei­te­re Infor­ma­tio­nen.