Neue Reflektorenfolie im Test

Lösung für neuralgischen Unfallschwerpunkt soll getestet werden

Immer wieder gibt es Untersuchungen, aus denen vermeintlich hervorgeht, Wildwarnreflektoren hätten keine Wirkung. Zwar widerspricht diese Aussage der der meisten Jagdausübungsberechtigten, die in ihren Revieren durch diese Maßnahme drastische Unfallrückgänge verzeichnen können. Aber dennoch kommt es ab und zu vor, dass es trotz Wildwarnreflektoren kracht. Die Frage, die von Studien und Untersuchungen bisher weitestgehend ausgeschlossen blieb: Warum ist das so? Viele Ursachen liegen auf der Hand, wissen Experten, die sich eingehend mit der Materie auseinandersetzen.

Straßenbild Schotten

Zu den Ursachen gehören beispielsweise besonders enge Kurven, Wald und steile Böschungen. Eines solcher besonders problematischen Stücke unfallträchtiger Straße befindet sich in Schotten.

Auf einer Strecke von rund 3 Kilometern führt die Landstraße durch einen Wald, der teilweise sogar an steilen Böschungen steht. Unzählige Spuren von Wild zeigen den regen Wechsel der Tiere an, den sie über die Straße nehmen. (Auf dem Foto des Straßenabschnitts z. B. links zu erkennen.) Allzu oft kollidieren sie dort nachts mit Fahrzeugen. 5 Unfälle gab es bereits im ersten Quartal dieses Jahres.

Swareflex Reflektoren
Swareflex Reflektoren sind seit Jahrzehnten in Österreich flächendeckend im Einsatz. Konstante Unfallrückgänge von mindestens 40 % selbst in schwierigen Geländen werden seither verzeichnet.

Doch die Firma Swareflex, ein Unternehmen der Swarovski-Gruppe, hat mit ihrem Wildwarnreflektor auch hierfür eine Lösung. Um das zu testen, stellt man dem amtlich bestätigten Jagdaufseher und durch die Jagdbehörde bestellten Rehwildsachkundigen für die Hegegemeinschaft Schotten, Michael Jüngling, 140 Stück dieses Modells zur Verfügung.

Der Wirkmechanismus ist der selbe wie der der vielen Modelle, die man derzeit immer häufiger an Deutschlands Straßen findet, erklärt Wolfgang Bürkle von Swareflex. Der Unterschied: sie leiten durch eingebaute Spiegel noch mehr Licht vom Scheinwerfer ab, als Folien das können. Das ermöglicht es, einen Trick anzuwenden: Wo Wald zu dicht an der Straße steht, fehlt die Reflektionsfläche. Licht, das vom Reflektor abstrahlt, erreicht zumeist Bäume, nicht das Wild. Bringt man die leuchtkräftigen Swareflex-Reflektoren an der Straßeninnenseite an, so hat das Licht die Möglichkeit, die aus dem Wald nahenden Tiere von der gegenüberliegenden Straßenseite aus zu “warnen”. Der Effekt ist wiederhergestellt. Der Autofahrer bekommt durch die ausgefeilte Spiegel-Technik nichts davon mit.

Swareflex-Grafik

In Österreich ist Swareflex seit den 70er Jahren weit verbreitet und seit knapp 20 Jahren so ausgereift, dass er flächendeckend im Einsatz ist. Magister Wolfgang Steiner, Projektleiter an der Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft verzeichnet seither konstante Unfallrückgänge von mindestens 40 % selbst in schwierigen Geländen. Auch die Technik der Anbringung zur Straße hin hat sich in waldreichen Gegenden bewährt. Die Grafik zeigt den Mechanismus.

Eben das möchte Jüngling nun auch in seinem Revier testen. Ein erstes Zwischenergebnis des Unfallgeschehens nach festgelegten Kriterien wird nach einem Jahr veröffentlicht werden.

Wolfgang Bürkle (links), Michael Jüngling (rechts)

Da die Strecke bereits mit Wildwarnreflektoren ausgestattet ist, gibt es folglich auch einen Nutzungsvertrag, der gesetzlich Bestandschutz hat. Ein Austausch von Reflektoren mit dem selben Wirkprinzip stellt demzufolge grundsätzlich kein Problem dar. Eine Lösung gegen die unzähligen Unfälle ist also in greifbarer Nähe. Einzig die Anbringung auf der der Straße zugewandten Seite muss mit Hessen Mobil noch abgesprochen werden. Bilder der Strecke und ein Exemplar des Swareflex liegen der Behörde vor.

Bislang hängen die Reflektoren an der Außenseite der Leitpfosten, strahlen somit an Bäume und Hänge und erreichen folglich das Wild nicht. Man hofft auf eine Entscheidung für Wild und Autofahrer.