Wald vor Wild und der Klimaschutz

Wald vor Wild?

Wald vor Wild und der Klimaschutz

Wald vor Wild für den Kli­ma­schutz? Scha­len­wild (Huf­tie­re) wie Reh- und Rot­wild sind inte­gra­ler Bestand­teil des Wal­döko­sys­tems. Wald ohne Wild gab es in der Geschich­te noch nie, ist aber ein Traum der­je­ni­gen, die Bäu­me aus­schließ­lich aus wirt­schaft­li­chen Gesichts­punk­ten betrach­ten. Mit Kli­ma­schutz hat das herz­lich wenig zu tun. Und den­noch wird unter eben die­sem Deck­man­tel momen­tan alles dar­an gesetzt, Scha­len­wild mit der Recht­fer­ti­gung Wald vor Wild so weit wie nur mög­lich zu „redu­zie­ren“, euphe­mi­sie­rend wird das ger­ne als „regu­lie­ren“ bezeich­net.

Wald vor Wild - im Winter droht die TreibjagdEine Stel­lung­nah­me zum Bei­trag vom 29.8.2020 in Ost­hes­sen­News mit Pris­ka Hinz: „Das Rot­wild in hes­si­schen Wäl­dern muss stär­ker bejagt wer­den“.

Was bedeutet „Wald vor Wild“?

Im Klar­text steckt hin­ter „Wald vor Wild“: schie­ßen, was immer einem wann immer vor die Büch­se kommt - ohne Ober­gren­ze, ohne Respekt. Gerecht­fer­tigt wird „Wald vor Wild“ mit Kli­ma­schutz.

Wie verkauft sich diese Tötungs-Propaganda am besten?

Zunächst braucht es eine brei­te Mas­se, der man den Begriff „Wild­schä­den“ im Zusam­men­hang mit Kli­ma­schutz unter­ju­beln kann. Bei dem Gedan­ken, dass man dar­an arbei­tet, Hir­sche und Rehe weit­ge­hend aus­zu­rot­ten (auch wenn das nie­mand zugibt), soll­te der Auf­schrei aus einer tier­freund­li­chen Bevöl­ke­rung ohren­be­täu­bend sein. Doch das ist er nicht. Die Panik vor Kli­ma­ver­än­de­run­gen wird scham­los dazu genutzt, zu behaup­ten, Reh- und Rot­wild müss­ten nur wei­chen, dann könn­te ein Kli­ma-Wald unge­hin­dert nach­wach­sen und die Mensch­heit wäre geret­tet.

Was ist ein Wald?

Was wir Wald nen­nen, sind aller­dings vie­ler­orts hekt­ar­wei­se Plan­ta­gen schnell wach­sen­der Fich­ten, die eben­so schnell eine Men­ge Pro­fit abwer­fen sol­len. Nach rund 70 Jah­ren wer­den sie - egal, wie das Kli­ma sich gestal­tet - geern­tet und ver­kauft. Anhal­ten­de Tro­cken­heit und für die­se Baum­art zu hei­ße Som­mer haben den Bäu­men gewal­tig zuge­setzt. Und da Mono­kul­tu­ren in der Regel ohne­hin viel weni­ger wider­stands­fä­hig sind, fal­len die geschwäch­ten Pflan­zen momen­tan rei­hen­wei­se dem Bor­ken­kä­fer zum Opfer. Zudem wur­zeln Fich­ten sehr flach. Ein kräf­ti­ger Wind­stoß in die ange­schla­ge­ne Plan­ta­ge kann daher beacht­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen.

Bis jetzt hat kein Reh oder Hirsch einen Schaden verursacht!Wald vor Wild. Wild hat kaum noch geschützte Bereiche zum Rückzug.

Rich­tig ist aber auch, dass die­se Tie­re immer weni­ger Mög­lich­kei­ten bekom­men, sich auf frei­en, unge­schütz­ten Flä­chen zu bewe­gen. Kaum eine Wie­se, kaum eine Wald­lich­tung ist vor Erho­lungs­su­chen­den und Sport­lern mehr sicher. Spa­zier­gän­ge und Sport fin­den schon lan­ge nicht mehr nur auf vor­ge­ge­be­nen Wegen und somit im Ein­klang der Natur statt. Das Recht, sich immer und über­all frei bewe­gen zu dür­fen treibt Men­schen kreuz und quer durch die Schlaf­zim­mer, Wohn­zim­mer und Ess­zim­mer unse­rer hei­mi­schen Wild­ar­ten. Der natür­li­che Lebens­raum die­ser Tie­re ist näm­lich - anders als oft ver­mu­tet - freie Flä­che wie Wie­sen und Lich­tun­gen. Viel weni­ger der Wald.
Doch ob im Som­mer oder Win­ter, stän­dig sind sie auf der Flucht. Und da der Wald trotz allem die bes­se­ren Ver­steck­mög­lich­kei­ten bie­tet, blei­ben Reh und Hirsch einen Groß­teil des Tages dort. Und fres­sen, was sie vor Ort fin­den – was bleibt ihnen auch ande­res übrig?

Immer weniger ruhige Freiflächen

Rich­tig ist aber auch, dass die­se Tie­re immer weni­ger Mög­lich­kei­ten bekom­men, sich auf frei­en, unge­schütz­ten Flä­chen zu bewe­gen. Kaum eine Wie­se, kaum eine Wald­lich­tung ist vor Erho­lungs­su­chen­den und Sport­lern mehr sicher. Spa­zier­gän­ge und Sport fin­den schon lan­ge nicht mehr nur auf vor­ge­ge­be­nen Wegen und somit im Ein­klang der Natur statt. Das Recht, sich immer und über­all frei bewe­gen zu dür­fen treibt Men­schen kreuz und quer durch die Schlaf­zim­mer, Wohn­zim­mer und Ess­zim­mer unse­rer hei­mi­schen Wild­ar­ten. Ob im Som­mer oder Win­ter, stän­dig sind sie auf der Flucht. Und da der Wald trotz allem die bes­se­ren Ver­steck­mög­lich­kei­ten bie­tet, blei­ben Reh und Hirsch einen Groß­teil des Tages dort. Und fres­sen, was sie vor Ort fin­den – was bleibt ihnen auch ande­res übrig? Freifläche

Treibjagden, wenn der Stoffwechsel aufs Minimum reduziert ist

Wenn es Win­ter wird, soll­te sich der gesam­te Orga­nis­mus des Scha­len­wil­des auf eine fut­ter­ar­me Zeit ein­stel­len. Der Stoff­wech­sel wird lang­sam auf ein Mini­mum redu­ziert und Bewe­gung wird ein­ge­schränkt, um die wich­ti­gen Res­sour­cen, die es bis zum Früh­jahr braucht, nicht sinn­los zu ver­schwen­den. Ab Anfang Dezem­ber soll­te in der Natur abso­lu­te Ruhe herr­schen
Doch nun toben neben dem Win­ter­sport auch die Drück­jag­den. Bis weit in den Janu­ar trei­ben Schüs­se und Sport­ler, die quer durch den Wald jagen, die Tie­re immer wie­der aus der Ruhe und zwin­gen sie zur Flucht – ein enor­mer Kraft­akt, der dem Wild alles abver­langt. Kraft, für die es jetzt kei­ne Reser­ven gibt. Der Orga­nis­mus läuft wie­der an, ver­geu­de­te Res­sour­cen müs­sen nach der Flucht wie­der auf­ge­füllt wer­den, damit das Tier nicht ver­hun­gert. Doch Gras, Kräu­ter und Blät­ter wach­sen der­zeit nicht. Eine art­ge­rech­te Win­ter­füt­te­rung wur­de ver­bo­ten. Was bleibt, sind die Trie­be der Bäu­me, die in Kopf­hö­he ste­hen.

Sogar bis in die Poli­tik ist der Mythos des Schad­wil­des vor­ge­drun­gen und treibt dort besorg­nis­er­re­gen­de Blü­ten. Denn man begeg­net ihm mit Maß­nah­men, die den Teu­fels­kreis antrei­ben, statt ihn zu unter­bre­chen.

Noch mehr Stress, noch mehr Schäden

Von Aus­set­zen des Nacht­jagd­ver­bots wird neu­er­dings gespro­chen, Jagd­zei­ten sol­len ver­län­gert wer­den und es ist die Rede von Prä­mi­en für Abschüs­se. Beson­ne­ne und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­te Jäger und Förs­ter wer­den mas­siv unter Druck gesetzt. Den gewis­sen­lo­sen Schie­ßern unter den Jägern und Förs­tern spielt das in die Hän­de. Die Fol­ge ist: noch mehr Stress für die Tie­re, noch mehr Schä­den im Wald.

Klimaschutz als Freibrief

Es gibt sie, die Jäger, die den Fin­ger am Abzug öfters ein­fach gera­de las­sen, die ihre Büch­se spä­tes­tens Ende Dezem­ber in den Schrank stel­len. Auch sie gibt es, die Moun­tain­bi­ker, Lang­läu­fer und Erho­lungs­su­chen­den, die auf Wegen und Loi­pen und nachts zVerbissschaden durch Wilduhau­se blei­ben – aus Respekt vor unse­ren Mit­ge­schöp­fen, die dort leben wol­len, wo wir Pau­sen ein­le­gen und Sport trei­ben. Es sind die­je­ni­gen, die Ruhe­zo­nen für unser Wild for­dern, in denen die Tie­re Gras, Kräu­ter, Feld­früch­te und ab und zu einen jun­gen Trieb fres­sen und im Win­ter abso­lu­te Ruhe vor allen Stö­run­gen haben.
Aber sie wer­den sel­te­ner. Und mit ihnen stirbt die Chan­ce auf Arten­viel­falt und das Ver­ständ­nis natür­li­cher Zusam­men­hän­ge in der Natur. Wo die­ses fehlt, hat „Kli­ma­schutz“ als Frei­brief für das Bestre­ben freie Bahn, Reh- und Rot­wild weit­ge­hend aus­zu­rot­ten.

Res­u­miert man, was in den letz­ten Jahr­zehn­ten gesche­hen ist, so ergibt sich fol­gen­des Bild:
Die zuneh­men­de Tro­cken­heit schwächt die Fich­ten­plan­ta­gen. Die­se wer­den dadurch anfäl­li­ger für Schäd­lin­ge wie den Bor­ken­kä­fer und erlie­gen ihm schließ­lich.
Wür­de alles Scha­len­wild, das den einen oder ande­ren Trieb neu gepflanz­ter Bäu­me ver­beißt, nun aus­ge­rot­tet, wür­de es den­noch nicht mehr reg­nen! Die neu­en Bäu­me wür­den wie­der geschwächt und der Bor­ken­kä­fer wür­de sie erneut befal­len.
Feh­len­des Ver­ständ­nis über logi­sche Zusam­men­hän­ge in der Natur darf nicht zu Las­ten weni­ger Spe­zi­es gehen sodass
der Ruf nach höhe­rem Abschuss zum Schutz der Wäl­der dem­nach schwer in Fra­ge gestellt wer­den soll­te.

Doch erst, wenn der letz­te Hirsch aus unse­ren Wäl­dern ver­schwun­den ist, wird sich zei­gen, was es gebracht hat. Aller Vor­aus­sicht nach nichts, solan­ge wir Men­schen fri­sches Holz wol­len – immer, und zwar schnell.

Link zu Ost­hers­sen News: Pris­ka Hinz: „Das Rot­wild in hes­si­schen Wäl­dern muss stär­ker bejagt wer­den!“

Fotos:
Wild: Jörg Fin­ze
Ande­re: Eige­ne