Der Hessische Städtetag und die Katzenschutzverordnung

Der Hes­si­sche Städ­te­tag spricht sich gegen eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung in den Kom­mu­nen aus. Aber mit wel­cher Daten­ba­sis kam es zu die­ser Emp­feh­lung? Der Tier­schutz ringt seit Jahr­zehn­ten um Gehör und for­dert eine Tier­schutz-Kat­zen­ver­ord­nung. Obwohl zwar die recht­li­che Grund­la­ge gege­ben ist, ent­schei­den sich Kom­mu­nen gegen eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung. Die Emp­feh­lung des Hes­si­schen Städ­te­tags ist ein Grund dafür.

Der Stamm­baum einer ver­wil­der­te Kat­zen ist zwei­fels­frei immer ein nicht kas­trier­tes Haus­tier. Die Men­schen, die im ein­schlä­gi­gen Tier­schutz aktiv sind, ken­nen das Pro­blem: nicht kas­trier­te Haus­kat­zen ver­meh­ren sich rasant schnell. Wenn dann dazu die tier­ärzt­li­che Ver­sor­gung fehlt, ver­brei­ten sich mit den Tie­ren und ihrem Nach­wuchs auch schnell Krank­hei­ten. Kat­zen­schnup­fen ist eine die­ser Seu­chen und hört sich harm­los an, ist es aber nicht. Die­ses Krank­heits­bild kann die Tie­re sogar qual­voll ver­en­den las­sen. Ver­wil­der­te Haus­kat­zen sind in der Regi­on häu­fig an land­wirt­schaft­li­chen Gebäu­den zu fin­den, wo sie sich für etwas Milch und Schutz ger­ne auf­hal­ten und dienst­bar Mäu­se fan­gen.

Ende des Katzenproblems nicht in Sicht

In Hes­sen hat die Lan­des­re­gie­rung im Jahr 2015 die Vor­aus­set­zung geschaf­fen, das die ein­zel­nen Kom­mu­nen eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung ein­füh­ren kön­nen. Grund­sätz­lich wäre so eine Ver­ord­nung ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel, Rechts­si­cher­heit für Tier­schutz­ver­ei­ne zu schaf­fen.

Nur zeigt es sich jedoch, das bis­her nur weni­ge Kom­mu­nen eine Kat­zen­schutz­verod­nung ein­füh­ren. In den Kom­mu­nen, wo es die Ver­ord­nung gibt, läuft es gut. Bis­her sind noch kei­ne Rück­mel­dun­gen zu über­bor­den­den Kos­ten und Auf­wän­den aus Kom­mu­nen mit Kat­zen­schutz­ver­ord­nung bekannt. Aber TiNa wird in Kür­ze einen Fra­ge­bo­gen an die Kom­mu­nen sen­den, um mehr dar­über zu erfah­ren, wie es dort läuft.

Kommunen ohne Katzenschutzverordnung

Und was pas­siert in den ande­ren Kom­mu­nen? Dort ver­meh­ren sich die Kat­zen mun­ter wei­ter. Mit der Ver­meh­rung ver­brei­ten sich auch Krank­hei­ten und damit Tier­elend. Die hie­si­gen Tier­schutz­ver­ei­ne kämp­fen mit Geld­not und schuf­ten nahe am Ran­de eines Ner­ven­zu­sam­men­bruchs, um wenigs­ten eini­ge die­ser Kat­zen­ge­schöp­fe aus dem Kreis­lauf der Ver­meh­rung her­aus zu holen.

Was hat der Hessische Städtetag damit zu tun?

Nicht unschul­dig an die­ser Situa­ti­on ist sicher­lich der Hes­si­sche Städ­te­tag, der zwar die immense Tier­schutz­ar­beit der hes­si­schen Kom­mu­nen über den Klee lobt, aber sofort von einer Ein­füh­rung einer Kat­zen­schutz­ver­ord­nung abrät . Immer­hin wird das Lei­den der Kat­zen nicht grund­sätz­lich in Fra­ge gestellt. Angeb­lich jedoch sei­en Mehr­auf­wand und Kos­ten mit einer Kat­zen­schutz­ver­ord­nung zu groß und die Wirk­sam­keit von Insel­lö­sun­gen  - also einer Kat­zen­schutz­ver­ord­nung in eini­gen Kom­mu­nen - wird in Fra­ge gestellt.

Wie kommt es zu einer Empfehlung gegen den Katzenschutz?

Die hie­si­gen Tier­schutz­ver­ei­ne bemü­hen sich seit lan­gem um Gehör, damit das The­ma Kat­zen­schutz auf eine poli­ti­sche Ebe­ne geho­ben wird. Auch gibt es Lösungs­vor­schlä­ge für ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen im Rah­men einer Kat­zen­schutz­ver­ord­nung. Gesprä­che mit den poli­ti­schen Orga­nen fin­den dazu lei­der nur in Ein­zel­fäl­len statt.

Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass auch der Hes­si­sche Städ­te­tag zum The­ma weder den Tier­schutz zu einer Ein­schät­zung zum The­ma gefragt, noch ein gemein­sa­mes Vor­ge­hen in Betracht gezo­gen hat. TiNa hat eine Anfra­ge an den Hes­si­sches Städ­te­tag gesen­det und ist gespannt, ob wir eine pas­sen­de Ant­wort erhal­ten!

Fazit

Der Hes­si­schen Städ­te­tag hat recht, wenn er sagt, dass eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung auf Län­der­ebe­ne getrof­fen wer­den soll. Denn aktu­ell ist die­se Opti­on sinn­bild­lich nur eine Karot­te, die die Lan­des­re­gie­rung zur Besänf­ti­gung der Tier­schutz­ver­ei­ne am Stöck­chen bau­meln lässt. Ein Schelm der denkt, dass die­se Geset­zes­vor­la­ge nicht mit eben die­sem Kal­kül ent­schie­den wur­de. Wer hät­te denn ahnen kön­nen, dass die ehr­wür­di­gen und oft lang­jäh­rig im Amt ver­wei­len­den Gemein­de­ver­tre­ter in den länd­li­chen Regio­nen kein Inter­es­se am The­ma Kat­zen­schutz haben wür­den?

Mit der Emp­feh­lung gegen eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung wird das vie­le Kat­zen­leid hin­ge­nom­men und for­dert sogar die Kom­mu­nen auf, Arti­kel 20a des Grund­ge­set­zes zu igno­rie­ren und gegen das Bun­des­ge­setz zu han­deln. Die­se Emp­feh­lung ist zudem eine Miss­ach­tung der Arbeit der regio­na­len Tier­schutz­ver­ei­ne.

Für eine Gesamt­ver­bes­se­rung wäre bereits die indi­vi­du­el­le Ent­schei­dun­gen der Kom­mu­nen für eine Kat­zen­schutz­ver­ord­nung ein guter Schritt um viel Tier­leid zu ver­hin­dern. Denn nach­weis­lich hel­fen bereits Insel­lö­sun­gen, das Kat­zen­pro­blem zu lin­dern.

Aber der hie­si­ge Tier­schutz wur­de und wird auch wei­ter­hin nicht gefragt.

Anke Feil