Tag und Nacht

Lichtverschmutzung - Die Bedeutung für Mensch und Umwelt

Tag und Nacht - Licht und Dun­kel­heit. Wel­che Aus­wir­kung hat der immer stär­ker wer­den­de Trend, die Nacht aller­orts durch künst­li­che Beleuch­tun­gen zum Tag zu machen? Die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Mensch und Umwelt sind seit gerau­mer Zeit bekannt. Die Lösung des Pro­blems ist denk­bar ein­fach: Lasst die Nacht wie­der dunk­ler sein!

Tag und Nacht

Wir alle wis­sen, wie schön es ist, wenn im Früh­jahr die Tage län­ger wer­den und wir mehr Tages­licht genie­ßen kön­nen. Das natür­li­che Tages­licht und ins­be­son­de­re das Son­nen­licht – natür­lich in Maßen genos­sen – bedeu­ten für uns Men­schen Gesund­heit und auch Wohl­be­fin­den.

Aber wel­che Bedeu­tung hat die Dun­kel­heit für uns? Wir haben uns seit Jahr­mil­lio­nen, neben den aller­meis­ten ande­ren Lebe­we­sen und Pflan­zen, im Tag- und Nacht­rhyth­mus ent­wi­ckelt. Der Blick auf den Ster­nen­him­mel hat uns zu vie­len Kul­tur­schrit­ten wie zum Bei­spiel der Navi­ga­ti­on, dem Kalen­der und der Astro­no­mie ange­regt.

Die Erfin­dung des elek­tri­schen Lichts im 19. Jahr­hun­dert hat uns sicher­lich viel Gutes gebracht, aber auch sehr viel Ener­gie auf Kos­ten einer intak­ten Umwelt gekos­tet. Zudem sagen Wis­sen­schaft­ler, dass in Sum­me jede neue Ent­wick­lung im Bereich der elek­tri­schen Beleuch­tung zu mehr Licht statt zu gerin­ge­rem Ener­gie­ver­brauch geführt hat. Aktu­ell nut­zen wir 1/5 unse­res jähr­li­chen elek­tri­schen Ener­gie­ver­brauchs für unser über­all prä­sen­tes künst­li­ches Licht.

Das ent­spricht dem Ener­gie­ver­brauch von 3.000 Mil­li­ar­den Bügel­eisen, die ein­mal eine Stun­de lang in Betrieb sind.

Licht in der Nacht – viel zu oft Energieverschwendung

Lichtverschmutzung: Künstliches Licht in der Nacht ist ein vielfaches heller als der Mond.
Foto: Sören Feil

Ein Zuviel an Licht bedeu­tet nicht nur unnö­ti­gen Ener­gie­ver­brauch, es hat auch nach­weis­lich Aus­wir­kung auf Mensch und Tier. Men­schen lei­den bei Dau­er­be­leuch­tung an Schlaf­lo­sig­keit. Fle­der­mäu­se sie­deln sich nicht an, wenn mög­li­che Kin­der­stu­ben die gan­zen Nacht aus­ge­leuch­tet sind und Glüh­würm­chen gehen bei zu viel Licht nicht auf Part­ner­su­che. Dass hel­le Licht­quel­len aus unter­schied­lichs­ten Grün­den ein siche­res Grab für unse­re aktu­ell ohne­hin beängs­ti­gend schnell schrump­fen­de Insek­ten­welt ist, wis­sen wir alle. Auch führt der durch­ein­an­der­ge­ra­te­ne Licht-Dun­kel-Rhyth­mus etwa dazu, dass nacht­ak­ti­ve Insek­ten den Blü­ten sel­te­ner einen Besuch abstat­ten und so sel­te­ner eine Bestäu­bung statt­fin­det. Die Kon­se­quenz: Pflan­zen bil­den weni­ger Samen. Also ist ein zu viel an Licht eben­falls ein wei­te­rer Feind der Arten­viel­falt.

Aller­orts wird immer mehr und immer hel­le­re Beleuch­tung ver­wen­det. Die­ses Phä­no­men ist bereits seit Jah­ren als Licht­ver­schmut­zung bekannt.

Ein Lösungsansatz

https://tina-uvb.de/2019/10/05/lichtverschmutzung-und-oekologie/Lichtverschmutzung: Wenn die Straßenlaterne nicht nur die Straße beleuchtet...Das Pro­blem liegt oft­mals in einer höchst inef­fek­ti­ven Licht­ver­tei­lung. Die LED-Tech­nik ist ein guter Weg, aber sie muss rich­tig ein­ge­stellt sein. Lei­der ist die Beleuch­tung ins­be­son­de­re durch Stra­ßen­la­ter­nen, von denen es 9 Mil­lio­nen in Deutsch­land gibt, sehr häu­fig nicht dem Bedarf ange­passt. Das ver­braucht nicht nur unnö­ti­ger­wei­se Ener­gie, es scha­det Mensch und Umwelt.

Auch im pri­va­ten Bereich soll­ten wir acht­sam mit der Haus- und Gar­ten­be­leuch­tung umge­hen: Wir ver­zich­ten daher bewusst auf die Gar­ten­be­leuch­tung, wenn wir uns dort nicht auf­hal­ten. Bewe­gungs­mel­der oder Zeit­schalt­uh­ren, hel­fen uns dabei, nur dann Licht zu nut­zen, wenn der Bedarf tat­säch­lich da ist. Sinn­voll ist es auch, bevor­zugt insek­ten­freund­li­che­re Leucht­mit­tel mit war­men Far­ben ein­zu­set­zen.

Milchstraße – noch nie gesehen?

Lichtverschmutzung: Viel Licht für wenig Mensch und Straß'
Völz­berg bei Nacht. Viel Licht für wenig Mensch und Straß‘.

Schon gewusst? Über ein Drit­tel der Deut­schen haben die Milch­stra­ße, also unse­re kos­mi­sche Hei­mat noch nie gese­hen, denn aus einer Licht­wol­ke her­aus, so wie sie unse­re beleuch­te­ten Orte und Städ­te erschaf­fen, ist sie nicht sicht­bar. Dabei ist der Blick in den Ster­nen­him­mel wun­der­bar span­nend und inspi­rie­rend. Das Auge gewöhnt sich in der Dun­kel­heit schnell an die Umge­bung. Das kann einem fas­zi­nie­ren­de Natur­er­leb­nis­se besche­ren.

Earth Night 2021 - für eine dunkle Nacht im Jahr

Machen Sie doch bei der Earth Night 2021 am 7. Sep­tem­ber 2021 mit! Das geht ganz ein­fach: Ver­su­chen Sie ab 22 Uhr das Licht zu redu­zie­ren. Wenn man dann noch nicht ins Bett möch­te, las­sen Sie ein­fach die Jalou­sien run­ter, machen das Außen­licht aus oder las­sen Sie das ver­wen­de­te Licht nach unten schei­nen. Viel­leicht nut­zen Sie die Gele­gen­heit auch und ver­su­chen, dann einen Blick auf die Milch­stra­ße zu wer­fen.

Wenn Sie, Ihre Kin­der und Enkel aller­dings (mal wie­der) Glüh­würm­chen sehen möch­ten, dann reicht es nicht, nur ein­mal auf etwas Licht zu ver­zich­ten. In die­sem Fal­le haben jedoch auch Sie den Schal­ter für eine bes­se­re Umwelt nicht nur sprich­wört­lich in der Hand!

Text: Anke Feil

 

 


Eine wei­ter­füh­ren­de Doku­men­ta­ti­on fin­den sie hier: Doku­men­tar­film - Ver­lust der Nacht Die glo­ba­le Licht­ver­schmut­zung Arte Doku HD